«Power is the new Location»²

„Power is the new Location“ Stromverfügbarkeit verändert die Bewertung von Logistikimmobilien: Prof. Dr. Thomas Beyerle (Hochschule Biberach) Beschreibung ein Strukturwandel bei Gewerbeimmobilien – die oberflächenfähige Netzleistungsanschluss vertählt zum Verdichtungen Wertfaktor, wichtiger als die klassische Lage. Was das für Unternehmen in Deutschland und die die Energieseinen erfahrenstrategie, Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Wenn der Netzanschluss zum knappsten Gut wird

Beyerle beobachtet vor allem in den USA, dass Investoren Industrie- und Logistikflächen längst nicht mehr nur wegen ihrer logistischen Eignung kaufen, sondern gezielt wegen des vorhandenen Netzanschlusses und der bestehenden Energieinfrastruktur. Der Grund liegt auf der Hand: Elektromobilität, automatisierte Lagerprozesse, Batteriespeicher und vor allem der rasante Ausbau von Rechenzentren treiben den Strombedarf massiv nach oben, während Netzanschlüsse in vielen Regionen zur echten Mangelware werden – in Teilen der USA liegen die Wartezeiten für neue Hochleistungsanschlüsse bereits bei mehreren Jahren.

Die Folge: Ein Grundstück ist nicht mehr in erster Linie durch seine Lage wertvoll, sondern durch das, was unter der Oberfläche liegt – Kabelquerschnitt, Trafokapazität, freie Megawatt.

Logistik, Energie und Rechenzentren wachsen zusammen

Besonders spannend ist die zweite Beobachtung Beyerles: Die Grenzen zwischen Logistik-, Energie- und Digitalinfrastruktur verschwimmen zusehends, während große internationale Investoren wie Prologis, Blackstone oder Goodman diese drei Nutzungsarten zunehmend strategisch miteinander verzahnen. Große Grundstücke, leistungsfähige Netzanschlüsse, weite Dachflächen für Photovoltaik und eine niedrige bauliche Dichte machen klassische Gewerbe- und Logistikimmobilien plötzlich hochattraktiv für energieintensive Nutzungen – vom Batteriewerk bis zum KI-Rechenzentrum.

Der Wert eines Grundstücks liegt dabei künftig oft weniger im bestehenden Gebäude als in der verfügbaren Stromkapazität und den Anschlussmöglichkeiten an das Übertragungsnetz.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Hierzulande steckt diese Diskussion laut Beyerle noch in einem frühen Stadium: ESG, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur stehen zwar bereits im Fokus der Marktakteure, doch die strategische Bedeutung der Stromverfügbarkeit als eigenständiger Standortfaktor wird bislang kaum systematisch bewertet. Gleichzeitig verschärfen die Energiewende, der Hochlauf der E-Mobilität und die zunehmende Automatisierung von Logistikprozessen den Druck auf ohnehin knappe Netzkapazitäten – ein Trend, den wir auch in unseren Projekten bundesweit täglich spüren: Netzanschlussanfragen, die Monate statt Wochen dauern, sind längst keine Ausnahme mehr.

Die neue Mietpreislogik: Megawatt statt Quadratmeter

Am deutlichsten wird der Paradigmenwechsel bei der Bewertungslogik selbst. Wo jahrzehntelang galt „beste Lage = höchste Miete“, gewinnt für energieintensive Nutzer wie Rechenzentren, KI-Infrastrukturen oder hochautomatisierte Logistikzentren zunehmend die Frage an Bedeutung, wie viel Netzleistung ein Standort bereitstellen kann – in manchen Fällen wichtiger als die letzte Optimierung der Verkehrsanbindung. Der Wettbewerb verlagert sich damit von einem Wettbewerb zwischen Standorten zu einem Wettbewerb zwischen verfügbaren Megawatt, Netzanschlüssen und Energiekapazitäten – der Stromanschluss wird für Investoren und Projektentwickler zum eigenständigen Werttreiber.

👉 ²Quelle: Prof. Dr. Thomas Beyerle, Hochschule Biberach, in: LogReal.Direkt, 6. Juli 2026, „Power is the new Location“: Stromverfügbarkeit verändert die Bewertung von Logistikimmobilien.

Porträt von Hendrik Schemmer, Fachberater Photovoltaik bei der COEBIZ GmbH in Coesfeld

Ihr Ansprechpartner

Hendrik Schemmer

Fachberater Photovoltaik

Was das für Unternehmen in Deutschland konkret bedeutet

Für Eigentümer und Betreiber von Gewerbe- und Industrieimmobilien in Deutschland ist diese Entwicklung keine ferne US-Zukunftsmusik, sondern bereits heute relevant – gerade mit Blick auf die Solarpflicht NRW und die anhaltenden Netzengpässe im Übertragungs- und Verteilnetz. Drei Konsequenzen aus Beyerles Analyse lassen sich direkt ableiten:

  1. Eigenerzeugung wird zur strategischen Reserve. Wer heute auf eigenen Dach- und Freiflächen Photovoltaik installiert, sichert sich unabhängig von Netzausbauzeiten zusätzliche Leistung – und macht sein Grundstück damit auch für zukünftige, energieintensivere Nutzungen wertvoller.
  2. Netzanschlussleistung wird Teil der Standortstrategie. Bereits bei der Grundstückswahl oder Erweiterungsplanung lohnt sich eine belastbare Einschätzung der verfügbaren Anschlussleistung – nicht erst im Baugenehmigungsverfahren.
  3. Batteriespeicher und Lastmanagement schaffen Handlungsspielraum. Wo der Netzanschluss selbst zum Engpass wird, verschafft intelligentes Energiemanagement – etwa über Peak Shaving oder dynamische Lastverteilung – zusätzlichen Puffer, ohne auf einen neuen Netzausbau warten zu müssen.

Beyerles These trifft einen Nerv: Die Energieinfrastruktur eines Grundstücks wird vom technischen Rahmenbedingung zum eigenständigen Werttreiber. Für produzierende Unternehmen, Logistiker und Immobilienentwickler in Deutschland bedeutet das: Wer heute in eigene Erzeugung, Speicher und ein durchdachtes Energiekonzept investiert, sichert sich nicht nur niedrigere Stromkosten, sondern auch die strategische Handlungsfähigkeit von morgen.

Als zertifizierter EPC-Partner für gewerbliche und industrielle Photovoltaikanlagen unterstützt COEBIZ Unternehmen im Westmünsterland und darüber hinaus dabei, genau diese Weichen zu stellen – von der ersten Potenzialanalyse bis zur schlüsselfertigen Großanlage.

FAQ´s Megawatt statt Quadratmeter

Was bedeutet „Power is the new Location“?
Der Begriff beschreibt einen von Prof. Dr. Thomas Beyerle (Hochschule Biberach) beschriebenen Trend, wonach die verfügbare elektrische Anschlussleistung eines Grundstücks zunehmend wichtiger für dessen Immobilienwert wird als seine geografische Lage.

Warum wird Stromverfügbarkeit zum Standortfaktor?
Weil Elektromobilität, Rechenzentren, Automatisierung und Batteriespeicher den Strombedarf stark erhöhen, während Netzanschlüsse vielerorts knapp werden und lange Wartezeiten entstehen.

Wie können Unternehmen darauf reagieren?
Durch eigene Photovoltaik-Erzeugung, Batteriespeicher und aktives Lastmanagement lässt sich Unabhängigkeit von Netzausbauzeiten schaffen und die eigene Energieinfrastruktur zukunftsfähig gestalten.

 

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